Einmal im Jahr öffnet Paris die Türen, die sonst nie aufgehen: Ministerbüros, Werkstätten von Handwerkern, Stadtpalais, Ehrentreppen, die sonst dem Personal vorbehalten sind. Die Tage des offenen Denkmals kehren am Samstag, den 19., und Sonntag, den 20. September 2026 zu ihrer 43. Ausgabe zurück, mit Hunderten teilnehmenden Orten in der Hauptstadt.

Zwei rote Fäden ziehen sich in diesem Jahr durch das Programm: „Erbe der Fotografie“ als nationales Thema, gewählt anlässlich des 200. Jahrestags der Erfindung der Fotografie, und „Bedrohtes Erbe: neu beleben, widerstehen, neu erfinden“ auf europäischer Ebene. Bildarchive, Restaurierungsbaustellen und gefährdete Orte dürften daher einen guten Teil des Programms einnehmen.

Kostenlos, ja, aber selten ohne Reservierung

Die überwiegende Mehrheit der teilnehmenden Pariser Orte ist an diesem Wochenende kostenlos, einschließlich der Dauerausstellungen der städtischen Museen. Die Hürde ist also nicht der Preis, sondern der Platz: Die meisten Pariser Besuche sind nur mit Reservierung möglich, mit begrenzten Kapazitäten. Einige nationale Häuser haben eigene Regeln und müssen einzeln geprüft werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Das vollständige Programm wird nicht auf einen Schlag veröffentlicht. Die Orte stellen ihre Zeitfenster nach und nach zwischen Ende August und Anfang September online. Zwei Quellen sind maßgeblich, das nationale Programm der Tage des offenen Denkmals und die eigene Seite der Stadt Paris, die man mehrmals erneut aufrufen sollte, falls der gewünschte Ort noch nicht gelistet ist.

Ein Spaziergang durch die Nouvelle Athènes

Das 9. Arrondissement vereint auf engstem Raum drei Adressen, die sich ohne großen Plan besuchen lassen. Das ist die Route, die wir unseren Gästen empfehlen: kostenlos, komplett zu Fuß und deutlich entspannter als das Wettrennen um Zeitfenster bei den großen Institutionen. Nebenbei lohnt sich dieses historische, elegante Viertel ebenso für seine Fassaden wie für seine Museen.

Das Musée national Gustave Moreau, 14 rue de La Rochefoucauld, hat Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Zutritt ist kostenlos und frei, im Rahmen der verfügbaren Plätze, wobei eine Reservierung dringend empfohlen wird (billetterie@henner-moreau.fr). Am Samstag kommen zwei weitere Termine hinzu: eine erzählte Familienführung um 11 Uhr, ab 4 Jahren, mit verpflichtender Reservierung und begrenzten Plätzen, sowie eine Signierstunde mit dem Autor Camille Brunel um 15 Uhr rund um die Ausstellung „Talisman. Carte blanche à Ali Banisadr“. An anderer Stelle haben wir bereits über das Wohn- und Atelierhaus des Malers berichtet, seine Wendeltreppe und seine Tausenden Zeichnungen.

Fünf Minuten entfernt liegt das Musée de la Vie romantique im Hôtel Scheffer-Renan, 16 rue Chaptal. Seine Dauerausstellungen sind das ganze Jahr über kostenlos, was es auch ohne Reservierung zu einer sicheren Wahl macht. Für dieses Wochenende wurde ein besonderes Programm rund um das romantische Paris, Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts und Klavierkonzerte von Konservatoriumsschülern angekündigt: Es erscheint noch nicht auf der Website des Museums und bleibt unter Vorbehalt, weshalb man die genaue Uhrzeit vorab prüfen sollte.

Dritte Station ist die mairie du 9e, 6 rue Drouot, die an drei Tagen mitmacht: Freitag, den 18. September, mit einem für 17.30 Uhr angekündigten Programm, Samstag, den 19., von 10 bis 18 Uhr, und Sonntag, den 20., von 10 bis 17 Uhr. Im Hof gibt es einen Streichelzoo, kreative Workshops für Kinder nach Anmeldung, einen Markt von Künstlern und Kunsthandwerkern, ein Konzert, eine Breakdance-Vorführung und ein Klavierrezital. Beim Denkmalschutz selbst führen Fachleute, darunter der Verein 9ème Histoire, durch das Gebäude, und ein Denkmalspaziergang wird zusammen mit dem CAUE angeboten. Die Anmeldungen werden für Ende August oder Anfang September erwartet, mehrere Aktivitäten haben begrenzte Plätze.

Die stark nachgefragten Großstätten: vorausplanen oder verzichten

Die Opéra Garnier mit ihren Kulissen- und Kostümwerkstätten, der Palais de l'Élysée, die Banque de France: Diese Adressen gehören bei früheren Ausgaben zu den gefragtesten Terminen, stets nach demselben Muster, verpflichtende Online-Reservierung und ausgebuchte Plätze binnen weniger Minuten nach Öffnung der Anmeldung, oft Anfang September. Am Ende des Sommers war noch keines dieser Programme für 2026 veröffentlicht. Die einzige Methode, die funktioniert: die offizielle Seite des Ortes im Blick behalten und dann genau am Tag der Öffnung der Zeitfenster reservieren, möglichst innerhalb der ersten Stunde.

Die Stadt Paris nennt zudem das Hôtel de Ville unter den zentralen Orten ihres Programms, mit kostenlosen Führungen übers Wochenende. Die genauen Modalitäten (Uhrzeiten, Anmeldung) müssen noch auf der offiziellen Seite bestätigt werden.

Praktische Hinweise

  • Termine: Samstag, 19., und Sonntag, 20. September 2026, 43. Ausgabe. Manche Orte, wie die mairie du 9e, öffnen bereits am Freitag, den 18.
  • Preise: kostenlos für die überwiegende Mehrheit der teilnehmenden Pariser Orte; einige nationale Häuser sind im Einzelfall zu prüfen.
  • Reservierung: für die meisten Besuche erforderlich, begrenzte Kapazitäten, Ticketverkauf je nach Ort zwischen Ende August und Anfang September.
  • Programm: wird schrittweise veröffentlicht, auf der nationalen Website und auf paris.fr.
  • Themen 2026: Erbe der Fotografie auf französischer Seite, bedrohtes Erbe auf europäischer Seite.

Von der rue de Clichy aus ist alles zu Fuß erreichbar

Das Hôtel R de Paris liegt in der 41 rue de Clichy, im 9. Arrondissement. Das Musée Gustave Moreau und das Musée de la Vie romantique sind über die rue Blanche und die rue de La Rochefoucauld etwa zehn Gehminuten entfernt und liegen fünf Minuten voneinander; für die mairie du 9e braucht man etwa eine Viertelstunde. Wer mit dem Zug anreist: Der Bahnhof Gare Saint-Lazare ist 7 Gehminuten entfernt, und die Stationen Trinité-d'Estienne d'Orves (Linie 12), Liège (13) und Place de Clichy (2 und 13) erschließen das Viertel. Warum man sich im September in Paris frühzeitig ein Hotel sichern sollte, erklärten wir in unserem Artikel zum Schulstart in Paris.

Zwei Tage reichen selten, um alles zu sehen, und das ist auch gut so: Zwei entspannte Besuche im selben Viertel sind besser als ein Tag, der mit dem Hetzen von einem verpassten Zeitfenster zum nächsten vergeht. Wer nach dem Wochenende Lust auf mehr hat, findet in unserem Aktivitäten-Guide weitere Ideen für Besuche und Ausflüge, im 9. Arrondissement und anderswo in Paris.